Schutzhandschuhe
Arbeitshandschuhe schützen die Hände vor mechanischen, chemischen und thermischen Gefahren am Arbeitsplatz. Von der filigranen Montage elektronischer Bauteile bis zur Arbeit mit konzentrierten Säuren – jede Tätigkeit verlangt einen Handschuh, der genau die richtige Schutzwirkung mit dem nötigen Tastempfinden verbindet. Einen umfassenden Überblick bietet unsere Wissensseite Schutzhandschuhe.348 Artikel gefunden
Welcher Handschuh für welche Gefährdung?
Die Gefährdungsbeurteilung bestimmt den Handschuhtyp. Sechs Kategorien decken das industrielle Spektrum ab:- Mechanische Schutzhandschuhe (EN 388): Strickhandschuhe mit PU-, Nitril- oder Latexbeschichtung. Für Montage, Handling, Metallverarbeitung. Der meistverkaufte Handschuhtyp in der Industrie.
- Schnittschutzhandschuhe (EN 388 TDM): Hochfeste Fasern (HPPE, Glasfaser, Stahlfaser) für den Umgang mit scharfen Kanten, Blechen und Glas. Schnittschutzlevel A bis F.
- Chemikalienschutzhandschuhe (EN 374): Geschlossene Barriere aus Nitril, Neopren, Butyl oder PVC gegen Säuren, Laugen und Lösungsmittel. Typ A, B oder C je nach Chemikalienbeständigkeit.
- Schweißerhandschuhe (EN 12477): Spalt- oder Vollleder, hitzebeständig und funkenabweisend. Typ A für MIG/MAG und Elektrode, Typ B für WIG-Präzisionsschweißen.
- Hitzeschutzhandschuhe (EN 407): Aramidgewebe, Silikonbeschichtung oder Glasfaser mit Aluminiumbeschichtung. Für Gießereien, Ofenbedienung und Glashütten.
- Einweghandschuhe: Nitril, Latex oder Vinyl für kurzzeitigen Kontaminationsschutz und Hygieneanwendungen. Nitril hat Latex in den meisten Anwendungen abgelöst – kein Allergierisiko, bessere Chemikalienbeständigkeit.
Beschichtungen – PU, Nitril oder Latex?
Bei mechanischen Schutzhandschuhen bestimmt die Beschichtung Grip, Tastempfinden und Medienbeständigkeit:- PU (Polyurethan): Hohe Fingerfertigkeit, guter Trockengriff. Für Montagearbeiten, Qualitätskontrolle und den Umgang mit Kleinteilen. ATG MaxiFlex Ultimate ist der bekannteste Vertreter.
- Nitril: Verbesserter Grip bei Öl und Feuchtigkeit. Für Metallverarbeitung, Kfz-Bereich und ölig-nasse Werkstücke.
- Latex: Bester Nassgriff. Für Bauarbeiten, Gartenbau und schlüpfrige Materialien. Nachteil: Latexproteine können Allergien auslösen – Nitril ist die allergikerfreundliche Alternative.
Normen auf einen Blick
Jeder Schutzhandschuh muss die Grundnorm EN ISO 21420:2020 erfüllen. Darüber hinaus gelten je nach Schutzfunktion:- EN 388: Mechanischer Schutz – Abrieb (0–4), Schnitt Coupe (0–5), Weiterreißen (0–4), Durchstich (0–4) plus TDM-Schnittschutzlevel A–F
- EN 374: Chemikalienschutz – Permeationsbeständigkeit Typ A (≥6 Chemikalien), B (≥3), C (≥1)
- EN 407: Hitzeschutz – 6 Leistungsstufen von Brennverhalten bis Metallspritzer
- EN 511: Kälteschutz – Konvektionskälte, Kontaktkälte, Wasserdurchlässigkeit
- EN 12477: Schweißerhandschuhe – Typ A (schwere Verfahren) und Typ B (Präzision)
Schnittschutz richtig einordnen – Coupe-Test vs. TDM-Test
Die EN 388 prüft Schnittfestigkeit mit zwei Verfahren. Der ältere Coupe-Test (Level 0–5) versagt bei hochfesten Fasern wie HPPE – die Klinge stumpft ab und liefert irreführend hohe Werte. Der TDM-Test nach ISO 13997 (Level A–F) misst die tatsächlich benötigte Schnittkraft in Newton und ist deutlich aussagekräftiger:- Level A–B: Leichte Schnittgefahr – Handhabung, Verpackung
- Level C–D: Mittlere Schnittgefahr – Blechverarbeitung, Glashandling
- Level E–F: Hohe Schnittgefahr – rasiermesserscharfe Klingen, Teppichleger, Schlachter
