Kegelrollenlager
Kegelrollenlager übertragen kombinierte Radial- und Axialkräfte und sind der Standard im Radlager- und Getriebebau. HUG führt Kegelrollenlager von FAG®, SKF®, NSK®, NTN®, NKE, ZEN® und CFC® in metrischer und zölliger Ausführung.Technische Infos
Wann ist ein Kegelrollenlager die richtige Wahl?
Im Gegensatz zum Rillenkugellager nimmt das Kegelrollenlager axiale Kräfte einseitig auf – in der Regel werden deshalb zwei Lager gegenüberliegend verbaut, die sich gegenseitig führen. Einsatzfelder:- Fahrzeug- und Landmaschinen-Radlager – paarweise, Lasten aus Kurvenfahrt und Bremsen
- Schräg- und Kegelradgetriebe – kombinierte Lasten aus Verzahnung
- Werkzeugmaschinen-Spindeln – vorgespannt für hohe Steifigkeit
- Walzwerke und Schwermaschinenbau – zöllige Großlager, oft gepaart ab Werk
Baureihen und Druckwinkel
Die metrischen Reihen sind nach DIN 720 / DIN ISO 355 genormt. Den Unterschied macht der Druckwinkel – er bestimmt, wie viel Axiallast gegenüber Radiallast aufgenommen wird:- Standard-Druckwinkel (ohne Suffix, typ. 15–17°) – Reihen 30200, 30300, 32200, 32300: Allrounder für Fahrzeug- und Maschinenbau
- Suffix C (17–24°) – höhere Axiallast bei kleinerer Radiallast
- Suffix D (24° und mehr) – ausgeprägt axiallastige Anwendungen, z. B. Schneckenwellen
X- und O-Anordnung
Weil ein einzelnes Kegelrollenlager nur einseitig axial trägt, werden zwei Lager nahezu immer paarweise eingesetzt. Zwei Anordnungen dominieren:- O-Anordnung: Außenring-Rückseiten zueinander – große Stützbasis, hohe Steifigkeit gegen Kippmomente (Lkw- und Anhängerachsen, Werkzeugspindeln mit Auskragung)
- X-Anordnung: Innenring-Vorderseiten zueinander – kompakt, einfache Einstellung über Innenringe (Pkw-Radlager, Kegelgetriebe)
Normen, Toleranzen und Lebensdauer
Die für die Auswahl relevanten Normen:- DIN 720 / DIN ISO 355 – Grenzabmessungen und Kurzzeichen der metrischen Kegelrollenlager
- ISO 492 – Toleranzen für Radialwälzlager (gilt auch für Kegelrollenlager)
- DIN ISO 76 – statische Tragzahl C₀
- DIN ISO 281 – dynamische Tragzahl C und nominelle Lebensdauer L₁₀
- ISO 15243 – Schadensklassifikation bei Wälzlagern (Grundlage für Instandhaltung)
FAQ – häufige Fragen zu Kegelrollenlagern
- Kann ich ein einzelnes Kegelrollenlager einbauen? Konstruktiv fast nie. Da das Lager nur einseitig axial trägt, braucht es praktisch immer ein zweites Lager (X- oder O-Anordnung) oder eine andere axiale Führung. Nur in Sonderfällen mit rein radialer Belastung ist der Einzeleinbau möglich.
- X- oder O-Anordnung – wie entscheide ich? Große Stützbasis mit Kippmoment-Belastung: O-Anordnung. Kompakte Bauräume und Pkw-ähnliche Radlager: X-Anordnung. Im Zweifel der Hersteller-Empfehlung des Maschinen- oder Fahrzeugherstellers folgen.
- Was bedeutet der Suffix „X" bei 32000X? „X" kennzeichnet nach DIN 720 die ISO-355-konforme Maß-Ausführung gegenüber der älteren reinen DIN-Ausführung. Die Lager sind maßlich weitgehend gleich, bei Ersatz im Bestand ist die Originalbezeichnung aber maßgeblich – Abweichungen im Millimeterbereich sind möglich.
- Metrisch oder zöllig? Für europäische OEM-Anwendungen metrisch. Für US-amerikanische Maschinen und ältere britische Konstruktionen oft zöllig (Inch). HUG führt beide Varianten – im Zweifel das Altlager ausmessen oder die Original-Teilenummer angeben.
- Kann ein Kegelrollenlager ohne Schmierstoff laufen? Nein. Kegelrollenlager sind hochbelastete Wälzlager und brauchen Fett- oder Ölschmierung. Vorgaben zu Schmierfett-Typ und Intervallen stehen im Herstellerdatenblatt. Passende Wälzlagerfette finden Sie bei HUG unter Schmierfett, das richtige Applikationswerkzeug unter Fettpressen und Öler.
