Stehlager-Gehäuseeinheiten L-Serie
Diese Reihe setzt auf eine Dichtung, die die Welle gar nicht berührt: das Labyrinth. Statt einer anliegenden Lippe hält ein verschachtelter Spalt den Schmutz zurück – ohne Reibung und ohne Verschleiß. HUG führt zehn dieser Einheiten.Zu Ihrem Experten für Stehlager-Gehäuseeinheiten F .. - L ..
Erwin Küfner
Technische Infos
Inhalt im Überblick
Dichten ohne zu berühren
Der erste Buchstabe einer INA-Gehäuseeinheit benennt die Dichtung des eingebauten Spannlagers. Ein L steht für die Labyrinthdichtung – im Unterschied zu den berührenden Varianten der Schwesterreihen, die mit einer oder mit drei Lippen auf der Welle anliegen. Ein Labyrinth arbeitet nach einem anderen Prinzip. Zwischen dem umlaufenden und dem stehenden Teil bleibt ein schmaler, mehrfach umgelenkter Spalt. Schmutzpartikel müssten diesen Zickzackweg gegen die Fliehkraft der drehenden Teile zurücklegen – praktisch schaffen sie das nicht. Berührung findet dabei nirgends statt. Daraus folgen drei Eigenschaften, die keine berührende Dichtung bietet:- Kein Reibmoment. Die Dichtung kostet keine Antriebsleistung und erzeugt keine Wärme – ein Vorteil, der mit steigender Drehzahl immer stärker durchschlägt.
- Kein Verschleiß. Was sich nicht berührt, nutzt sich nicht ab. Eine Lippendichtung verliert über die Jahre ihre Vorspannung, das Labyrinth bleibt wie am ersten Tag.
- Höhere Temperaturreserve. Weil keine Eigenerwärmung durch Reibung entsteht und kein Elastomer verhärtet, verträgt die Bauart deutlich mehr Wärme als eine Lippendichtung.
Wo das Labyrinth die richtige Wahl ist
Die Bauart passt zu Lagerstellen, an denen Drehzahl oder Temperatur die begrenzenden Größen sind – nicht der Schmutz allein. Bei hoher Drehzahl summiert sich das Reibmoment einer berührenden Dichtung zu spürbarer Verlustleistung, und die erzeugte Wärme lässt das Fett schneller altern. Eine berührungslose Dichtung nimmt diesen Effekt komplett heraus. Bei erhöhter Umgebungstemperatur gilt Ähnliches: Eine Elastomerlippe verhärtet mit der Zeit, verliert ihre Anlage und dichtet dann schlechter als am Anfang. Das Labyrinth kennt dieses Alterungsproblem nicht. Innerhalb des Herstellerprogramms ist die L-Dichtung deshalb diejenige Variante, die für den erweiterten Temperaturbereich steht – bei der verwandten Flanschlagereinheit LCJT reicht er von minus 40 bis plus 180 Grad Celsius. Umgekehrt gehört das Labyrinth nicht dorthin, wo direkt gegen die Lagerstelle gespritzt wird oder wo die Welle lange stillsteht, während Feuchtigkeit ansteht. Für staubige Umgebungen mit moderater Drehzahl ist die dreifache Lippendichtung der T-Serie die robustere Wahl, für saubere Standardanwendungen die einfachere R-Serie.LASE oder LSHE – die Fußform
Hinter dem Dichtungsbuchstaben steht der Gehäusecode. **LASE** bezeichnet das Graugussgehäuse mit langem Fuß und Langlochbohrungen – die Schrauben werden von oben durchgesteckt, sodass sich die Einheit beim Anziehen noch ausrichten lässt. **LSHE** hat den kurzen Fuß mit Sackloch-Gewindebohrungen und wird von unten durch die Anschlusskonstruktion verschraubt. Die Wellenmittenhöhe ist bei beiden gleich, der lange Fuß misst bei gleicher Baugröße aber rund das Doppelte des kurzen. Im Sortiment liegen vier Einheiten mit langem und drei mit kurzem Fuß. Beide Gehäuse sind aus Gusseisen nach DIN EN 1561 und **einteilig** ausgeführt. Die hohlkugelige Gehäusebohrung nimmt den balligen Außenring des Spannlagers auf und gleicht statische Fluchtungsfehler bis etwa 2,5 Grad aus. Nachgeschmiert wird über einen Kegelschmiernippel nach DIN 71412 mit passendem Wälzlagerfett. Axial ist die Einheit auf die Hälfte der statischen radialen Tragzahl begrenzt. Ergänzt wird die Kategorie um drei Einheiten von SNR aus den Reihen GNP und MUCPPL.FAQ zur L-Serie
- Was ist eine Labyrinthdichtung? Eine berührungslose Dichtung. Zwischen dem drehenden und dem stehenden Teil bleibt ein schmaler, mehrfach umgelenkter Spalt, den Schmutzpartikel gegen die Fliehkraft zurücklegen müssten. Anders als eine Lippendichtung liegt sie nirgends an der Welle an – daher entsteht weder Reibung noch Verschleiß.
- Wofür steht das L am Anfang? Für die Dichtung des eingebauten Spannlagers. Bei INA benennt der erste Buchstabe einer Gehäuseeinheit durchgängig die Dichtungsart: L für das Labyrinth, R für die einfache Lippendichtung, T für die dreifache. Der Buchstabe beschreibt also nicht das Gehäuse, sondern das Lager darin.
- Wann lohnt sich das Labyrinth gegenüber einer Lippendichtung? Wenn Drehzahl oder Temperatur die begrenzenden Größen sind. Bei hoher Drehzahl entfällt das Reibmoment und damit die Eigenerwärmung, bei erhöhter Temperatur entfällt das Verhärten des Elastomers. Gegen direkte Beaufschlagung mit Wasser oder bei langen Stillstandszeiten unter Feuchtigkeit ist dagegen eine berührende Dichtung im Vorteil.
- Welche Temperaturen sind möglich? Die Labyrinthbauart ist innerhalb des Herstellerprogramms diejenige mit dem erweiterten Temperaturbereich – bei der verwandten Flanschlagereinheit LCJT sind minus 40 bis plus 180 Grad Celsius angegeben. Für die konkrete Ausführung gehört die Grenze am Datenblatt geprüft, und bei Betrieb nahe der oberen Grenze auch das eingesetzte Fett.
- Was unterscheidet LASE von LSHE? Nur die Fußform. LASE hat den langen Fuß mit Langlöchern und wird von oben verschraubt, wodurch sich die Einheit beim Anziehen ausrichten lässt. LSHE hat den kurzen Fuß mit Gewindebohrungen und wird von unten durch die Anschlusskonstruktion verschraubt. Die Wellenmittenhöhe ist bei beiden identisch.
- Nutzt sich die Dichtung ab? Nein, und das ist ihr wesentlicher Vorzug gegenüber der Lippendichtung. Da sich nichts berührt, gibt es keinen Abrieb und keinen Verlust der Vorspannung. Eine Lippendichtung dichtet nach Jahren schlechter als am Anfang, das Labyrinth verhält sich unverändert – solange der Spalt nicht durch Verformung oder Fehlmontage verändert wird.
- Wie viel Fluchtungsfehler gleicht die Einheit aus? Die hohlkugelige Gehäusebohrung nimmt den balligen Außenring auf und gleicht statische Fluchtungsfehler bis etwa 2,5 Grad aus. Darüber ist die Nachschmierung eingeschränkt. Schwenk- und Taumelbewegungen im Betrieb sind nicht zulässig – die Einstellbarkeit dient dem Ausgleich beim Einbau.
- Muss ich zur Einheit ein Lager bestellen? Nein. Das Spannlager ist bereits eingebaut, gefettet und abgedichtet – die Einheit wird als Ganzes montiert. Wer Gehäuse und Lager getrennt wählen möchte, findet das Programm unter Stehlager-Gehäuse.
L-Einheiten bei HUG
Seit 1938 stattet HUG Technik und Sicherheit Betriebe mit technischem Bedarf aus. In dieser Kategorie liegen zehn Stehlager-Gehäuseeinheiten ab Lager – sieben von INA mit berührungsloser Labyrinthdichtung, vier davon mit langem und drei mit kurzem Fuß, dazu drei Einheiten von SNR. Passend dazu:- T-Serie – dieselben Gehäuse mit dreifacher Lippendichtung für staubige Umgebungen.
- Stehlager-Gehäuse – wenn Gehäuse und Lager getrennt gewählt werden sollen.
- Wälzlagerfett – zum Nachschmieren über den Kegelschmiernippel.
- Rillenkugellager – Ersatzlager und passende Wälzlager für angrenzende Lagerstellen.
