Federhülsen
Federhülsen sind die kleinste Bauform der federnden Druckstücke – kompakte Hülse mit Druckfeder und ballig oder spitz auslaufendem Stift. HUG führt das Sortiment von KIPP® in den Formen A, B und C aus vernickeltem Stahl und Edelstahl 1.4303 mit Druckfeder aus Federstahl 1.4310, für Rast-, Positionier- und Klemmaufgaben im Vorrichtungsbau.Technische Infos
Wofür werden Federhülsen eingesetzt?
Federhülsen ersetzen aufwendige Eigenkonstruktionen aus Druckfeder + Stift + Bohrung. Sie erzeugen eine definierte Federkraft an einer Position und werden überall dort verwendet, wo:- Rastpositionen ohne Verschraubung gehalten werden sollen – Schwenkarme, Klappen, Drehteller
- Werkstücke positioniert werden – Anschläge in Spannvorrichtungen
- Toleranzen ausgeglichen werden – Federhülse drückt Werkstück gegen feste Anlage
- Schnäpper-Funktionen nötig sind – Schnellverschluss von Klappen und Türen
- Ratsch-Punkte in Verstellmechaniken entstehen sollen – Drehknöpfe mit fühlbaren Stellungen
Bauarten und Formen
KIPP® bietet Federhülsen in drei Standardformen:- Form A: Abgerundeter Druckstift, ohne Bund – Standardmodell für Rast- und Positionieranwendungen
- Form B: Spitzer Druckstift, ohne Bund – für definierte Rastposition mit hoher Wiederholgenauigkeit
- Form C: Abgerundeter Druckstift mit Bund – Bund begrenzt die Einbautiefe
Material und Korrosionsschutz
- Hülse Stahl vernickelt – für trockene Innenraum-Anwendungen
- Hülse Edelstahl 1.4303 – für feuchte Bereiche, Lebensmittel, Reinraum
- Druckfeder Federstahl 1.4310 – korrosionsbeständig, hält Federkraft auch bei Feuchtigkeit
Maße und Federkraft
Die Standard-Hülsen von KIPP® decken den Außendurchmesser-Bereich von ca. 2,2 bis 3 mm mit Längen von ca. 11 bis 16 mm ab. Anfangs- und Endfederkraft, Nutzhub und Bohrungstoleranz stehen im KIPP-Datenblatt der konkreten Ausführung.- Anfangsfederkraft: Kraft am Druckstift in voll ausgefahrener Stellung
- Endfederkraft: Kraft in voll eingedrückter Stellung
- Nutzhub: Maximaler Federweg des Druckstifts
Einbau in Pressitz
Federhülsen werden in eine glatte Bohrung eingepresst – kein Gewinde, keine Verschraubung. Das macht sie besonders wirtschaftlich in der Serienfertigung.- Bohrungstoleranz nach Herstellerangabe (typisch H7 oder H8)
- Pressitz mit leichtem Übermaß – Hülse wandert unter Federkraft nicht heraus
- Bohrungstiefe ≥ Hülsenlänge + Hub, damit der Stift frei federn kann
- Bei Aluminium- oder Kunststoffträgern: Stahlbuchse einpressen, sonst weitet sich die Bohrung mit der Zeit auf
Federhülse oder federndes Druckstück mit Gewinde?
- Federhülse: Pressitz in glatter Bohrung, sehr kompakt, kleine Federkraft, nicht justierbar – für kleine Rast- und Positionieraufgaben
- Federndes Druckstück mit Gewinde: Schraubsitz, größere Federkraft, Einschraubtiefe justierbar – für höhere Kräfte und nachträgliche Feinjustierung
Typische Anwendungen
- Vorrichtungsbau: Werkstück-Anschläge, Positionierelemente
- Werkzeug- und Formenbau: Auswerferhalterungen, Justierelemente
- Maschinenbau: Schwenkarm-Rastung, Klapphalterungen, Schaltstellungen
- Möbel und Haushaltsgeräte: Drehknopf-Rastung, Schnäpper, Schubladenanschläge
- Medizintechnik: Edelstahl-Federhülsen für reinigungsfähige Geräte
Ergänzende Normteile
- Federnde Druckstücke mit Kopf für sichtbare Bedienanwendungen
- Federnde Seitendruckstücke für seitlich klemmende Aufgaben
- Arretierbolzen als zugkraftbetätigte Positionierbolzen
- Kugelsperrbolzen als Schnellverbinder mit Sperrkugeln
- Schnäpper und Befestigung für Türen und Verschlüsse
FAQ – häufige Fragen zu Federhülsen
- Wann Federhülse, wann Druckstück mit Gewinde? Federhülse für kleine, dauerhafte Rast- und Positionieraufgaben mit kleiner Federkraft. Druckstück mit Gewinde, wenn die Vorspannung nachjustiert werden muss oder die Federkraft größer ist. Federhülsen sind die wirtschaftlichere Lösung in Serienfertigung.
- Stahl oder Edelstahl? Vernickelter Stahl für trockene Innenraum-Anwendungen (Vorrichtungsbau, Möbel). Edelstahl 1.4303 für feuchte oder lebensmittelberührende Bereiche, Reinraum und Medizintechnik. Die Druckfeder ist immer aus Federstahl 1.4310.
- Wie tief darf die Bohrung sein? Mindestens Hülsenlänge + Nutzhub des Druckstifts. Bei zu flacher Bohrung kann der Stift nicht voll eindrücken – die Federkraft erhöht sich abrupt, das Bauteil wird beschädigt.
- Kann ich eine Federhülse wieder ausbauen? Eingeschränkt. Die Hülse sitzt im Pressitz – bei der Demontage wird sie meist zerstört oder die Bohrung weitet sich auf. Plan-Wechsel: Federhülse bei Defekt durch eine identische ersetzen. Bei häufigem Tausch besser eine Variante mit Gewinde wählen.
- Brauchen Federhülsen Schmierung? Nicht in der Regel, weil die Relativbewegung zwischen Hülse und Stift minimal ist. Bei Anwendungen mit häufiger Auslenkung (Schnäpper mit hoher Nutzung) kann eine kleine Menge Schmierfett auf den Stift den Verschleiß reduzieren.
