Förderungen bei Arbeitssicherheit
Finanzielle Unterstützung für Unternehmen beim Kauf von PSA und Schutzkleidung
Zusammengestellt von HUG Technik und Sicherheit | Stand: Juni 2026
Viele Unternehmen wissen nicht, dass sie einen erheblichen Teil ihrer Investitionen in Persönliche Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitsschutzkleidung über Förderprogramme zurückerhalten können. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen bieten finanzielle Prämien, Beitragsnachlässe und Zuschüsse – vorausgesetzt, die Anforderungen werden erfüllt.
Dieses Dokument gibt Ihnen einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Förderprogramme in Deutschland (Stand 2026), die Voraussetzungen für eine Teilnahme sowie praktische Hinweise zur Antragstellung.
1. Grundlagen: Gesetzliche Pflichten & Kostenträger
1.1 Wer muss Schutzkleidung bezahlen?
Laut Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, seinen Mitarbeitenden persönliche Schutzausrüstung kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen:
- Warnschutzkleidung (EN ISO 20471) für Bau- und Straßenarbeiten
- Schutzhandschuhe, Schutzbrillen, Sicherheitsschuhe
- Schutzhelme, Gehörschutz, Atemschutzmasken
- Spezialkleidung für chemische, thermische oder mechanische Gefährdungen
Reine Berufskleidung ohne Schutzfunktion (z. B. Poloshirts oder Kittel für die Corporate Identity) fällt nicht unter die Pflichtbereitstellung – kann aber trotzdem bezuschusst werden.
1.2 Steuerliche Absetzbarkeit
Alle PSA-Kosten sowie Arbeitsschutzmaßnahmen sind als Betriebsausgaben vollständig steuerlich absetzbar. Das gilt sowohl für die Anschaffung als auch für Reinigung, Wartung und Ersatz. Unternehmen sollten alle Belege sorgfältig dokumentieren.
2. BG BAU – Prämienverfahren für die Bauwirtschaft
2.1 Überblick
Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) ist einer der größten Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland. Sie bietet Mitgliedsbetrieben finanzielle Prämien für Investitionen in den Arbeitsschutz – darunter ausdrücklich auch PSA und Schutzkleidung.
Das Prämienverfahren wurde ab Juli 2025 mit neuen Förderangeboten ausgeweitet. Unternehmen aus dem Baubereich können Zuschüsse für eine breite Palette von Schutzmaßnahmen beantragen.
2.2 Was wird gefördert?
Geförderte Maßnahmen (Auswahl):
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Helme, Gehörschutz, Schutzhandschuhe, Schutzbrillen
- Warnschutzkleidung gemäß EN ISO 20471
- Sicherheitsschuhe und Arbeitsschutzstiefel
- Absturzsicherungen und Auffangsysteme
- Technische Schutzeinrichtungen (z. B. Maschinenschutz)
- Schulungen und Unterweisungen zum Arbeitsschutz
2.3 Voraussetzungen
- Mitgliedschaft im Zuständigkeitsbereich der BG BAU
- Keine offenen Beitragsrückstände
- Ordnungsgemäße Arbeitsschutzorganisation im Betrieb
- Durchführung der geförderten Maßnahmen im laufenden Jahr
2.4 Kontakt & Antragstellung
| Website | www.bgbau.de/praemien |
| Hotline (kostenlos) | 0800 379 910 0 |
| arbeitsschutzpraemien@bgbau.de |
Anträge können online oder per Formular eingereicht werden. Die aktuellen Förderangebote und Antragsformulare stehen auf der Website der BG BAU zum Download bereit.
3. VBG – Prämienverfahren (Zeitarbeit & weitere Branchen)
3.1 Überblick
Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) ist für Unternehmen aus Branchen wie Zeitarbeit, Verwaltung, Medien, Sport und seit 2026 auch dem sozialen, kulturellen und Freizeitbereich zuständig.
Im Rahmen ihres Prämienverfahrens bezuschusst die VBG konkrete Präventionsmaßnahmen mit bis zu 40 % der Anschaffungskosten – das betrifft ausdrücklich auch PSA und Schutzkleidung.
3.2 Förderung von PSA – bis zu 40 % Zuschuss
Besonders relevant für Personaldienstleister:
- Warnschutzkleidung (Jacken, Hosen, Westen gemäß EN ISO 20471)
- Sicherheitsschuhe und Schutzstiefel
- Schutzhandschuhe für mechanische und chemische Gefährdungen
- Schutzbrillen und Gesichtsschutz
- Atemschutzausrüstung
- Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz
3.3 Voraussetzungen
- Mitgliedschaft bei der VBG seit mindestens 12 Monaten
- Keine Beitragsrückstände
- Ordnungsgemäße Arbeitsschutzorganisation im Betrieb
- Unfallquote des Unternehmens liegt mindestens 50 % über dem VBG-Durchschnitt (branchenabhängig)
- Umsetzung mindestens einer der im Prämienkatalog genannten Maßnahmen
3.4 Neu ab 2026: Erweiterung auf soziale und kulturelle Betriebe
Ab dem Prämienjahr 2026 können auch Unternehmen aus dem sozialen, kulturellen und Freizeitbereich am VBG-Prämienverfahren teilnehmen. Der entsprechende Prämienkatalog ist seit Dezember 2025 verfügbar. Anträge für das Prämienjahr 2026 können bis zum 11. Februar 2027 eingereicht werden.
3.5 Antragstellung
| Website | www.vbg.de/praemienverfahren |
| Antragsfrist 2026 | bis 11. Februar 2027 (online) |
Der vollständige Prämienkatalog mit allen förderfähigen Maßnahmen und den jeweiligen Anforderungen steht auf der VBG-Website zum Download bereit.
4. DGUV – Allgemeine Förderstrukturen & Beitragsnachlässe
4.1 Struktur der gesetzlichen Unfallversicherung
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ist der Dachverband aller Berufsgenossenschaften und Unfallkassen in Deutschland. Sie koordiniert branchenübergreifende Präventionsprogramme und Standards.
4.2 Beitragsnachlässe durch niedrige Unfallzahlen
Alle Mitgliedsbetriebe profitieren automatisch von niedrigeren Unfallversicherungsbeiträgen, wenn ihre Unfallzahlen unter dem Branchendurchschnitt liegen. Das schafft einen direkten wirtschaftlichen Anreiz für Investitionen in PSA und Arbeitsschutz:
- Weniger Arbeitsunfälle = niedrigere Unfallbelastung = geringere Beiträge
- Beitragsnachlässe werden automatisch im jährlichen Beitragsbescheid berücksichtigt
- Umgekehrt: Betriebe mit überdurchschnittlich hohen Unfallzahlen müssen Beitragszuschläge zahlen
4.3 Gütesiegel & Auszeichnungen
Neben monetären Förderungen vergeben viele Träger der Unfallversicherung auch Gütesiegel und Zertifikate für vorbildliche Arbeitsschutzmaßnahmen. Diese können als Qualitätsmerkmal gegenüber Kunden und Mitarbeitenden kommuniziert werden.
4.4 Deutscher Arbeitsschutzpreis 2027
Ab dem 1. April 2026 läuft die Bewerbungsphase für den Deutschen Arbeitsschutzpreis (DASP) 2027. Die Auszeichnung wird in vier Kategorien vergeben und ist jeweils mit einem Preisgeld von 10.000 Euro dotiert. Bewerbungsschluss ist der 30. Juni 2026 unter www.deutscher-arbeitsschutzpreis.de.
5. Neue DGUV Vorschrift 2 (ab Januar 2026)
5.1 Was hat sich geändert?
Seit dem 1. Januar 2026 gilt die novellierte DGUV Vorschrift 2 zur arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Betreuung von Betrieben. Sie bringt wichtige Erleichterungen, vor allem für kleinere Unternehmen:
- Die Schwelle für vereinfachte Betreuungsmodelle wurde von 10 auf 20 Beschäftigte angehoben – mehr Kleinbetriebe kommen jetzt in den Genuss des kostenfreien Kompetenzzentrenmodells
- Teile der sicherheitstechnischen Betreuung können nun digital durchgeführt werden, sofern eine Erstbegehung vor Ort stattgefunden hat
- Der Kreis der Personen, die sich zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) qualifizieren können, wurde erweitert – auch Akademiker aus Naturwissenschaften und Psychologie haben nun Zugang
5.2 Bedeutung für Unternehmen
Die Neuerungen reduzieren den bürokratischen Aufwand und die Kosten für die Pflichtbetreuung. Unternehmen bis 20 Mitarbeitende können durch das Kompetenzzentrenmodell ihrer Berufsgenossenschaft die sicherheitstechnische Betreuung stark vereinfachen – und so Ressourcen für Investitionen in PSA und Schutzkleidung freisetzen.
6. Aktuelle Trends & Entwicklungen 2026
6.1 Smarte PSA und digitale Produktpässe
Die PSA-Branche befindet sich im Wandel. Moderne Schutzausrüstung wird zunehmend mit Sensoren und Vernetzungstechnologie ausgestattet. Gleichzeitig wird der Digitale Produktpass (DPP) wichtiger: Ein QR-Code auf der Kleidung gibt Auskunft über Materialzusammensetzung, Pflege und Recyclingfähigkeit.
6.2 PFAS-Ausstieg & nachhaltige Materialien
Ab 2026 müssen deutsche Hersteller von PSA auf per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) verzichten. Diese sogenannten „Ewigkeitschemikalien" waren bisher in vielen wasser- und ölabweisenden Textilien enthalten. Gefragt sind nun fluorfreie Alternativen. Die Nachfrage nach nachhaltiger PSA aus recycelten Materialien steigt – getrieben auch durch ESG-Ziele der Unternehmen.
6.3 Wirtschaftlicher Nutzen von Investitionen in Arbeitsschutz
Investitionen in hochwertige PSA und Schutzkleidung zahlen sich aus – auch abseits von Förderungen:
- Reduzierung von Arbeitsunfällen und Ausfallzeiten
- Senkung der Unfallversicherungsbeiträge
- Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung
- Stärkung der Corporate Identity und des professionellen Erscheinungsbildes
- Vermeidung von Bußgeldern bis zu 15.000 Euro bei mangelhafter Schutzausstattung
7. Checkliste: So beantragen Sie Förderungen
Gehen Sie diese Schritte durch, um keine Förderung zu verpassen:
- Zuständige Berufsgenossenschaft ermitteln: Welche BG oder Unfallkasse ist für Ihren Betrieb zuständig? (Auskunft über DGUV unter www.dguv.de)
- Prämienkatalog herunterladen: Auf der Website Ihrer BG finden Sie den aktuellen Prämienkatalog mit allen förderfähigen Maßnahmen.
- Maßnahmen dokumentieren: Halten Sie alle Anschaffungen mit Belegen fest. Rechnungen, Lieferscheine und Fotos sind oft als Nachweis erforderlich.
- Antrag fristgerecht stellen: Beachten Sie die Einreichungsfristen. Bei der VBG z. B. bis 11. Februar des Folgejahres.
- Gefährdungsbeurteilung aktuell halten: Eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung ist Grundvoraussetzung für die meisten Förderungen und gesetzlich ohnehin Pflicht.
8. HUG Technik und Sicherheit – Ihr Partner
HUG Technik und Sicherheit bietet das vollständige Sortiment an PSA und Arbeitsschutzkleidung – von Warnschutzjacken über Sicherheitsschuhe bis hin zu kompletten Berufskleidungsprogrammen mit Bedruckung und Stickerei.
Wir beraten Sie gerne dabei, welche Produkte förderfähig sind und unterstützen Sie bei der Zusammenstellung Ihrer Dokumentation für die Antragstellung.
Kontakt:
| Website | www.hug-technik.com |
| Service | Bedrucken & Patchen direkt vor Ort |
| Sortiment | FORTIS, Carhartt, LEIBER und viele weitere Top-Marken |
Diese Übersicht wurde von HUG Technik und Sicherheit erstellt. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: Juni 2026.
