Seile und Schlingen
Inhalt im Überblick
Welche Rolle spielen Seile und Schlingen?
Kurz: In der Absturzsicherung übernehmen Seile und Schlingen drei Aufgaben: als Kernmantelseil die Führung für ein mitlaufendes Auffanggerät, als Halteseil die Arbeitspositionierung und als Anschlagschlinge den mobilen Anschlagpunkt.
Anders als Lastaufnahmemittel sind Seile und Schlingen hier Teil der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz. Sie verbinden den Anwender mit der Struktur oder schaffen überhaupt erst einen Anschlagpunkt:- Kernmantelseil (Statikseil): das halbstatische Seil als Führung für ein mitlaufendes Auffanggerät oder als Arbeits- und Sicherungsseil im Seilzugang.
- Halteseil: hält den Anwender in Arbeitsposition und entlastet die Hände – ein Positionierungsmittel, kein Auffangsystem.
- Anschlagschlinge / Bandschlinge: wird um einen Träger, ein Rohr oder eine Struktur gelegt und schafft so einen mobilen Anschlagpunkt.
Kernmantelseil, Halteseil, Anschlagschlinge und Kantenschutz
Kurz: Kernmantelseile nach EN 1891 sind halbstatisch (max. 5 % Dehnung). Halteseile nach EN 358 positionieren. Anschlagschlingen nach EN 795-B oder EN 566 bilden den Anschlagpunkt. Kantenschutz schützt Seil und Schlinge an scharfen Kanten.
| Produkt | Norm | Aufgabe |
|---|---|---|
| Kernmantelseil (Statikseil) | EN 1891 | Führungs- und Sicherungsseil, geringe Dehnung für präzise Positionierung |
| Halteseil | EN 358 | Arbeitspositionierung und Rückhalten – keine Sturzauffangung |
| Anschlagschlinge / Bandschlinge | EN 795-B / EN 566 | mobiler Anschlagpunkt um Träger oder Struktur |
| Kantenschutz | — | schützt Seil und Schlinge vor Durchtrennung an scharfen Kanten |
Anschlagschlinge ist keine Hebe-Rundschlinge
Kurz: Anschlagschlingen für die Absturzsicherung (EN 795-B / EN 566) und Rundschlingen aus der Hebetechnik (EN 1492) dürfen niemals verwechselt werden – sie sind für völlig unterschiedliche Belastungen geprüft.
Eine häufige und gefährliche Verwechslung: Rundschlingen und Hebebänder aus der Lastaufnahme (Hebetechnik, EN 1492) sehen Anschlagschlingen der Absturzsicherung ähnlich, sind aber für statisches Heben von Lasten geprüft – nicht für den dynamischen Fangstoß eines Menschen. Für die persönliche Absturzsicherung sind ausschließlich Schlingen nach EN 795 Typ B (mobile Anschlageinrichtung) oder EN 566 (Bergsport-Schlinge, mindestens 22 kN Bruchkraft) zulässig. Eine Hebe-Rundschlinge als Anschlagpunkt für PSAgA zu verwenden ist unzulässig – und umgekehrt darf eine Personen-Anschlagschlinge nicht zum Lastenheben zweckentfremdet werden. Im Zweifel entscheidet das Etikett mit der Norm-Kennung.Normen: EN 1891, EN 795-B, EN 358 und EN 566
Kurz: EN 1891 regelt Kernmantelseile (Typ A mind. 22 kN, Typ B mind. 18 kN), EN 358 Halteseile zur Positionierung, EN 795-B mobile Anschlageinrichtungen und EN 566 Bergsport-Schlingen mit mindestens 22 kN.
Jedes Produkt trägt die für seine Funktion maßgebliche Norm:- EN 1891: Kernmantelseile mit geringer Dehnung. Typ A (mind. 22 kN) ist der Standard für Seilzugang und Sicherung, Typ B (mind. 18 kN) ist für leichtere Anwendungen.
- EN 358: Halteseile und Haltegurt-Systeme zur Arbeitspositionierung. Sie verhindern, dass es überhaupt zum Sturz kommt, fangen aber keinen freien Fall auf.
- EN 795 Typ B: transportable, mobile Anschlageinrichtungen – dazu zählen Bandschlingen, die um eine Struktur gelegt werden.
- EN 566: Schlingen aus dem Bergsport mit mindestens 22 kN Bruchkraft, ebenfalls als Anschlagschlinge verwendbar.
Prüfung und Ablegereife durch HUG
Kurz: Seile und Schlingen müssen jährlich durch einen Sachkundigen geprüft werden (DGUV Grundsatz 312-906). Textile Produkte haben eine Höchstgebrauchsdauer von in der Regel 10 Jahren ab Herstelldatum.
Seile und textile Schlingen sind Verschleißteile. Geprüft werden Schnitte, Aufrieb, Quetschungen, chemische Schäden und UV-Versprödung sowie die Lesbarkeit der Kennzeichnung. Beschädigte oder über die Gebrauchsdauer hinaus genutzte Seile werden aussortiert – ein durchgescheuerter Mantel oder ein harter, versprödeter Kern bedeutet sofortige Ablegereife. Mehrere HUG-Mitarbeiter sind als Sachkundige nach DGUV 112-198 zertifiziert und prüfen Seile und Schlingen im Haus oder vor Ort. Jede Prüfung wird dokumentiert, auf Wunsch mit Terminüberwachung.Hier geht es zur Prüfung von Seilen und Gurten!
FAQ zu Seilen und Schlingen
- Was ist ein Kernmantelseil? Ein Kernmantelseil besteht aus einem tragenden Kern aus parallelen oder geflochtenen Fasern und einem schützenden Außenmantel. In der Absturzsicherung wird das halbstatische Kernmantelseil nach EN 1891 verwendet: Es hat eine geringe Dehnung (max. 5 %) und eignet sich als Führungs-, Arbeits- und Sicherungsseil. Im Gegensatz dazu fängt das dynamische Kletterseil (EN 892) Stürze durch starke Dehnung ab und ist für die Arbeitssicherung ungeeignet.
- Was ist der Unterschied zwischen Statikseil und dynamischem Seil? Ein Statikseil (halbstatisches Kernmantelseil, EN 1891) dehnt sich nur wenig (max. 5 %) und hält den Anwender präzise in Position – ideal zum Sichern, Halten und für den Seilzugang. Ein dynamisches Seil (EN 892) dehnt sich stark, um die Energie eines Vorstiegssturzes im Sport abzubauen. Für die berufliche Absturzsicherung wird das Statikseil nach EN 1891 Typ A eingesetzt.
- Darf ich eine Hebe-Rundschlinge als Anschlagpunkt verwenden? Nein. Rundschlingen und Hebebänder aus der Hebetechnik (EN 1492) sind für das statische Heben von Lasten geprüft, nicht für den dynamischen Fangstoß eines stürzenden Menschen. Für PSAgA sind ausschließlich Anschlagschlingen nach EN 795-B oder EN 566 (mind. 22 kN) zulässig. Die Norm-Kennung auf dem Etikett entscheidet – im Zweifel die HUG-Sachkundigen fragen.
- Wie erkenne ich, welche Norm meine Schlinge erfüllt? Jede Schlinge trägt ein eingenähtes Etikett mit Hersteller, Norm-Kennung (z. B. EN 795-B oder EN 566), Bruchkraft, CE-Zeichen und Herstelldatum. Eine Anschlagschlinge für die Absturzsicherung nennt eine dieser Personen-Schutz-Normen. Steht dort eine Hebetechnik-Norm wie EN 1492, ist es eine Lastschlinge und für PSAgA tabu. Ist das Etikett unlesbar, darf die Schlinge nicht mehr verwendet werden.
- Wofür brauche ich einen Kantenschutz? Ein Kantenschutz wird eingesetzt, sobald ein Seil oder eine Anschlagschlinge über eine scharfe Kante läuft – etwa eine Dach- oder Betonkante. Ohne Schutz kann das textile Material im Belastungsfall durchtrennt werden und das System versagt. Der Kantenschutz (z. B. SKYLOTEC ROPE GUARD) wird über das Seil geschoben und an der gefährdeten Stelle positioniert.
- Was ist ein Halteseil und wann darf ich es verwenden? Ein Halteseil nach EN 358 dient der Arbeitspositionierung: Es hält den Anwender in einer stabilen Arbeitshaltung und entlastet die Hände, etwa beim Arbeiten am Mast. Es darf jedoch niemals einen freien Sturz auffangen. Wo ein Absturz möglich ist, muss zusätzlich ein Auffangsystem mit Falldämpfer eingesetzt werden. Halteseil und Auffangsystem ergänzen sich.
- Wie oft müssen Seile und Schlingen geprüft werden? Mindestens einmal jährlich durch einen Sachkundigen nach DGUV Grundsatz 312-906, zusätzlich vor jedem Einsatz durch Sichtprüfung. Textile Seile und Schlingen haben außerdem eine Höchstgebrauchsdauer von in der Regel 10 Jahren ab Herstelldatum. HUG übernimmt die jährliche Prüfung im Haus oder vor Ort.
- Wie lagere ich Seile und Schlingen richtig? Kühl, trocken und dunkel, getrennt von Chemikalien, Ölen, Treibstoffen und scharfkantigem Werkzeug. UV-Strahlung, Feuchtigkeit und Chemikalien beschleunigen die Alterung der Fasern. Seile werden locker aufgeschossen gelagert, nicht eng geknotet. Eine Aufbewahrungstasche aus der Kategorie Werkzeughalter und -beutel schützt zusätzlich vor Verschmutzung und Aufrieb.
Seile und Schlingen bei HUG – SKYLOTEC und 3M
HUG Technik und Sicherheit führt 507 Seile und Schlingen von SKYLOTEC (Bandschlinge LOOP, Halteseil ERGOGRIP SK12, Kantenschutz ROPE GUARD, Anti-Hängetrauma-Schlinge) und 3M (Kernmantelseile PROTECTA). Vom Statikseil für den Seilzugang bis zur Anschlagschlinge für den mobilen Anschlagpunkt ist das gesamte Spektrum verfügbar. Passend dazu finden Sie im Cluster Absturzsicherung:- Anschlagpunkte und Steigschutz – feste Anschlagpunkte als Ergänzung zur mobilen Schlinge (EN 795)
- Karabiner – verbinden Seil und Schlinge mit Gurt und Anschlagpunkt (EN 362)
- Auffanggurte – mit Halteöse (EN 358) für das Halteseil
- Zubehör für Absturzsicherung – Kantenschutz, Seilschoner und Transporttaschen
