Bohrbuchsen
Bohrbuchsen führen den Bohrer exakt an der vorgesehenen Position ins Werkstück. Sie sitzen in Bohrvorrichtungen und Bohrlehren und sorgen dafür, dass jede Bohrung am richtigen Ort, im richtigen Winkel und mit dem richtigen Durchmesser entsteht – wiederholbar über Tausende von Werkstücken, ohne Anreißen und ohne Körnen.Technische Infos
Warum Bohrbuchsen die Seriengenauigkeit sichern
Ohne Bohrbuchse müsste jede Bohrposition einzeln angerissen, gekörnt und manuell positioniert werden. Das kostet Zeit, erfordert Geschick und führt bei Serienfertigung zu Streuung. Mit Bohrbuchse wird die Position ein einziges Mal in der Vorrichtung festgelegt – danach bohrt jedes Werkstück identisch. Die gehärtete Stahlhülse übernimmt dabei zwei Aufgaben:- Positionsführung: Der Bohrer trifft exakt die vorgegebene Stelle – auch bei Schrägbohrungen, tiefen Bohrungen und geneigten Flächen.
- Werkzeugführung: Die Buchse stützt den Bohrer seitlich und reduziert Schwingungen, die bei langen und dünnen Bohrern zum Brechen führen.
Bauformen nach DIN – mit und ohne Bund
Drei DIN-Normen decken die wichtigsten Bauformen ab:- DIN 179 (ohne Bund): Zylindrische Buchse, die bündig in die Vorrichtungsplatte eingepresst wird. Ragt nicht über die Plattenoberfläche hinaus – ideal bei flachen Auflageflächen, auf denen das Werkstück plan aufliegen muss.
- DIN 172 Form A (Bund oben): Buchse wird von oben eingesetzt und liegt mit dem Bund auf der Platte auf. Der Bund verhindert das Durchdrücken unter Bohrkraft und erleichtert die Demontage. Die häufigste Bauform im Vorrichtungsbau.
- DIN 172 Form B (Bund unten): Buchse wird von unten eingesetzt – für Anwendungen, bei denen die Oberseite bündig bleiben muss.
- DIN 173 (Wechselbuchse): Sitzt in einer Aufnahmebuchse (Grundbuchse) und kann ohne Spezialwerkzeug getauscht werden. Eine Sicherungsschraube hält die Position. Einsatz: Mehrfachbearbeitung in derselben Vorrichtung – erst Bohren, dann Buchse wechseln und Reiben oder Senken.
Werkstoffe, Härte und Passungen
Bohrbuchsen bestehen aus Einsatzstahl (16MnCr5 oder vergleichbar), der einsatzgehärtet wird. Die harte Randschicht (58–62 HRC) widersteht dem Abrieb des rotierenden Bohrers, der zähe Kern absorbiert Stoß- und Querbelastungen ohne zu brechen. Entscheidende Maße und Toleranzen:- Innenbohrung: H7-Toleranz (Standard) oder G6 (Präzision), geschliffen auf Ra ≤ 0,4 µm. Die Passung zum Bohrer beträgt 0,005–0,015 mm Übermaß (Gleitpassung F7/h6).
- Außendurchmesser: Toleranz m6 oder n6 für Presspassung in der Vorrichtungsplatte. Gewährleistet, dass die Buchse unter Bohrkraft und Vibration nicht wandert.
- Abstand Buchse–Werkstück: 0,3 bis 1,0 × Bohrerdurchmesser. Zu groß → Bohrer wandert vor dem Eintritt. Zu klein → Spanabtransport wird behindert.
Einsatzbereiche
Bohrbuchsen finden sich überall dort, wo Bohrpositionen wiederholgenau und stückzahlunabhängig eingehalten werden müssen:- Serienfertigung: Positionsgenauigkeit über Tausende von Werkstücken ohne Nachmessen
- Werkzeug- und Vorrichtungsbau: Standardelement jeder Bohr-, Reib- und Senkvorrichtung
- Luftfahrtindustrie: Nietbohrungen in Rumpfschalen und Tragflächen
- Automobilindustrie: Bohrungen in Motorblöcken, Getriebegehäusen und Achsträgern
- Möbelindustrie: Dübellöcher für Reihenbohrungen
