Aufbau einer Flanschlagereinheit
Jede Flanschlager-Gehäuseeinheit besteht aus zwei Komponenten: dem Gehäuse und dem
Spannlager (auch Einbaulager oder Insert Bearing).
Das Gehäuse ist der tragende Körper mit Flanschfläche und Befestigungsbohrungen. Grauguss (GG25), Stahlblech, Edelstahl oder
Kunststoff (Thermoplast) – das Material bestimmt die Tragfähigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Einsatzumgebung.
Das
Spannlager ist ein einreihiges Rillenkugellager mit erweitertem Innenring. Die Befestigung auf der Welle erfolgt über Madenschrauben (Gewindestifte), Exzenterring oder Spannhülse. Madenschrauben sind der Standard für moderate Drehzahlen und Lasten. Exzenterringe greifen formschlüssig und sichern das Lager bei Vibrationen und wechselnden Drehrichtungen.
Gehäuseformen und Bezeichnungen
UCFL – 2-Loch-Flanschlager (oval): Das ovale Gehäuse mit zwei Befestigungsbohrungen ist die häufigste Flanschlager-Bauform. Kompakte Abmessungen, geringes Gewicht, einfache Montage. Für Förderbänder, Rollenbahnen, Spindelantriebe und leichte bis mittlere Belastungen.
UCF – 4-Loch-Flanschlager (quadratisch): Vier Befestigungsbohrungen verteilen die Last gleichmäßiger auf die Aufnahmefläche. Höhere Tragfähigkeit und Steifigkeit als das 2-Loch-Flanschlager. Für Hauptantriebswellen, Mischer, Rührwerke und Anwendungen mit stoßartiger Belastung.
UCFC – Rundflanschlager: Rundes Gehäuse mit 2 oder 4 Bohrungen. Für Wellen, die rechtwinklig durch Platten, Wände oder Maschinenrahmen geführt werden. Kompakt, aber mit geringerer Tragfähigkeit als quadratische Flanschlager.
UCT – Spannlagereinheit mit T-Gehäuse: Das T-förmige Gehäuse ermöglicht die Montage in Profilschienen, Nutensteinen und Aufnahmen mit begrenztem Platz. Typisch im Werkzeug- und Vorrichtungsbau.
UCFB – Flanschlager mit 3-Loch-Befestigung: Dreieckige Anordnung der Befestigungsbohrungen für gleichmäßige Lastverteilung bei kompakter Bauweise.
Gehäusewerkstoffe
Grauguss GG25 (EN-GJL-250) ist der Standardwerkstoff. Gute Schwingungsdämpfung, hohe Druckfestigkeit, wirtschaftlich. Für den allgemeinen Maschinenbau, Fördertechnik und Landwirtschaft – überall dort, wo keine Korrosionsbeständigkeit gefordert ist.
Stahlblech (verzinkt oder lackiert) für leichte Flanschlager in Blechkonstruktionen und im Apparatebau. Geringere Masse als Grauguss, dafür eingeschränkte Dämpfungseigenschaften.
Edelstahl (1.4301 / 1.4401) für die Lebensmittelindustrie, Pharmaindustrie, Nassräume und Außenanwendungen. Korrosionsbeständig gegen Wasser, Reinigungsmittel und milde
Chemikalien. In Kombination mit Niro-Lagern und lebensmittelkonformem Fett entsteht eine komplett korrosionsbeständige Lagerstelle.
Thermoplast (PBT, PA66) für Lebensmittelmaschinen, Verpackungsanlagen und Umgebungen, in denen Metallgehäuse korrodieren oder das Medium kontaminieren. Leicht, wartungsfrei und in Edelstahl-Sicherheitsfarben erhältlich.
Wellenbefestigung
Madenschraube (Gewindestift): Zwei Gewindestifte im Innenring pressen sich gegen die Welle und sichern das Lager axial und rotatorisch. Einfachste Montage, ausreichend für moderate Drehzahlen bis ca. 3.000 min⁻¹ und gleichmäßige Lasten. Nachteil: Die Madenschrauben erzeugen Druckstellen auf der Welle – bei häufigem Umsetzen verschleißt die Wellenoberfläche.
Exzenterring: Ein exzentrischer Ring greift formschlüssig um die Welle und wird durch Drehen festgeklemmt. Höhere Haltekraft als Madenschrauben, kein Wellenmarkieren. Für Anwendungen mit Vibrationen und wechselnden Drehrichtungen.
Spannhülse (Adapter Sleeve): Die konische Hülse wird auf die Welle geschoben und klemmt das Lager durch Mutteranziehen fest. Für große Wellendurchmesser ab 40 mm und hohe axiale Lasten. Die Hülse gleicht Maßabweichungen der Welle aus und beschädigt die Wellenoberfläche nicht.
Schmierung und Abdichtung
Flanschlager werden ab Werk mit Lebensdauerfett geschmiert. Ein
Schmiernippel am Gehäuse ermöglicht die Nachschmierung bei Bedarf – in staubigen, nassen oder thermisch belasteten Umgebungen verkürzt sich das Nachschmierintervall.
Die Abdichtung erfolgt durch Lippendichtungen, Filzringe oder Labyrinthdichtungen – je nach Gehäusetyp und Hersteller. Für die Lebensmittelindustrie stehen Flanschlager mit FDA-konformem Fett und PTFE-
Dichtungen bereit.
Nachschmierintervalle: Alle 3.000 bis 8.000 Betriebsstunden bei normalen Bedingungen (20–60 °C, trockene Umgebung, moderate Drehzahl). Bei Nassreinigung oder Hochtemperaturbetrieb entsprechend kürzer.
Auswahl – Flanschlager oder Stehlager?
Flanschlager montieren an vertikale oder horizontale ebene Flächen – Maschinenrahmen, Platten, Konsolen. Die Welle liegt parallel zur Aufnahmefläche oder steht rechtwinklig dazu (bei Rundflanschlagern).
Stehlager montieren auf horizontale Flächen – Maschinenbetten, Gestelle, Fundamente. Die Welle liegt oberhalb der Aufnahmefläche, das Gehäuse steht wie ein Sockel.
Die Entscheidung hängt von der Einbausituation ab: Ist die Aufnahmefläche horizontal und die Welle soll darüber liegen? Stehlager. Ist die Aufnahmefläche vertikal und die Welle soll daraus herausragen? Flanschlager. In vielen Fällen sind beide Varianten konstruktiv möglich – dann entscheidet der verfügbare Bauraum.
Sortiment bei HUG
HUG Technik & Sicherheit führt Flanschlager-Gehäuseeinheiten von SKF, FAG, INA und NTN in allen gängigen Bauformen: UCFL (2-Loch), UCF (4-Loch), UCFC (Rundflansch) und UCT (T-Gehäuse). Gehäusewerkstoffe: Grauguss, Stahlblech, Edelstahl und Thermoplast. Wellendurchmesser von 12 bis 80 mm ab Lager verfügbar. Das Fachpersonal berät zur richtigen Gehäuseform, Wellenbefestigung und Werkstoffkombination. Bestellung bis 16:00 Uhr – taggleicher Versand.