Schlauchtechnik richtig auswählen
Ob ein Schlauch lange hält, entscheidet sich vor dem Kauf: Medium, Druck, Temperatur und Einbausituation legen fest, welcher Aufbau passt. Ein einfacher Wasserschlauch reicht im Garten, in der Druckluftleitung einer Maschine fällt er dagegen schnell aus. Dieser Ratgeber zeigt die wichtigsten Kennwerte, eine Faustformel für den Biegeradius und die Angaben, mit denen wir Ihnen den passenden Schlauch nennen können.
Was einen Schlauch belastet
Auf jeden Schlauch wirken Kräfte von innen und von außen. Man unterscheidet vier Arten von Beanspruchung:
Mechanisch
Druck, Zug, Knicken, Abrieb, Quetschen oder Überfahren.
Thermisch
Heißes oder kaltes Medium, wechselnde Umgebungstemperaturen.
Chemisch
Öle, Säuren, Laugen, Reinigungsmittel, dazu Ozon und UV-Licht.
Elektrisch
Statische Aufladung, etwa bei Schüttgut, Lösemitteln oder in Ex-Bereichen.
Wie stark die innere Belastung und die Reibungsverluste ausfallen, hängt von mehreren Stellschrauben ab:
- Am Schlauch selbst: Werkstoffmischung, Aufbau, Durchmesser und die Oberfläche der Innenseele.
- Am Medium: Art des Fördermittels, Fließgeschwindigkeit, Temperatur und Druck.
- Am Einbau: die Verlegung, also Bögen, Längen und Befestigung.
Ein guter Schlauch bleibt über seine Lebensdauer flexibel, dehnt sich unter Druck nur kontrolliert, wird weder spröde noch weich und hält äußeren Einflüssen stand.
Die vier wichtigsten Kennwerte
Datenblätter von Schläuchen nennen fast immer diese Werte. Sie sind die Grundlage für jeden Vergleich:
Biegeradius
Wie eng der Schlauch gebogen werden darf, ohne abzuknicken.
Betriebsdruck
Höchster Druck im Dauereinsatz bei voller Lebensdauer.
DIN EN ISO 7751Unterdruck
Vakuum, das der Schlauch aushält, ohne zu kollabieren oder die Innenschicht zu lösen.
DIN EN ISO 7233Berstdruck
Druck, bei dem der Schlauch platzt. Aus ihm wird der Betriebsdruck abgeleitet.
DIN EN ISO 1402Biegeradius berechnen
Den Biegeradius bestimmen vor allem Werkstoff, Anzahl und Art der Festigkeitsträger sowie der Durchmesser. Auch Medium und Temperatur spielen hinein. Als Faustregel gilt für einen drucklosen Schlauch: Biegeradius = 10 × Innendurchmesser. Bei 15 mm Innendurchmesser sind das 150 mm.
Je nach Bauart lässt sich der Schlauch enger legen:
| Bauart | bis 100 mm Innendurchmesser | über 100 mm Innendurchmesser |
|---|---|---|
| Dorngefertigter Schlauch | 6 × ID | 6 × ID |
| Spiralschlauch, außen glatt | 8 × ID | 10 × ID |
| Spiralschlauch, außen gewellt | 6 × ID | 8 × ID |
| Faustregel ohne Herstellerangabe | 10 × ID | 10 × ID |
Während der Belastung gelten 4/5 der oben genannten Werte.
Biegeradius-Rechner
Richtwerte. Maßgeblich ist immer die Angabe im Datenblatt des Herstellers.
Wird der Mindestbiegeradius unterschritten, sinkt die Lebensdauer deutlich. Planen Sie den engsten Bogen im Einsatz deshalb mit Reserve. Reicht der Platz nicht, helfen Schlauchformstücke oder Rohrbögen mit 45° oder 90°. Für enge Einbauräume gibt es zudem besonders weiche Schläuche mit sehr kleinem Biegeradius.
Betriebs-, Prüf- und Berstdruck
Betriebsdruck
Der Betriebsdruck ist der höchste Druck, bei dem ein Schlauch dauerhaft und mit voller Lebensdauer arbeitet. Er wird bei Raumtemperatur ermittelt, für Gummi- und Kunststoffschläuche gilt DIN EN ISO 7751. Je nach Hersteller und Aufbau liegen die Werte weit auseinander. Witterung und die natürliche Alterung der Polymere können den zulässigen Druck mit der Zeit senken.
Prüfdruck
Mit dem Prüfdruck wird zerstörungsfrei nachgewiesen, dass Schlauch und Einbindung halten. Er wird mindestens 3 Minuten gehalten (oder nach Vorgabe des Betreibers). Dabei darf nichts undicht werden und keine bleibende Verformung entstehen.
| Schlauchleitung | Prüfdruck | Prüfdauer |
|---|---|---|
| Schlauchleitungen allgemein | 1,5 × max. zulässiger Druck | mind. 3 Minuten |
| Dampfschlauchleitungen | 5 × max. zulässiger Druck | mind. 3 Minuten |
Berstdruck
Der Berstdruck, auch Platzdruck genannt, ist der Druck, bei dem der Schlauch versagt. Er wird nach DIN EN ISO 1402 ermittelt und dient als Basis, um den Betriebsdruck mit Sicherheitsabstand festzulegen.
Unterdruck
Saugschläuche müssen Vakuum standhalten. Nach DIN EN ISO 7233 gilt als Grenze der Unterdruck, bei dem sich die Innenschicht noch nicht ablöst und der Schlauch nicht flach gezogen wird. Für Saugleitungen eignen sich in der Regel Spiralschläuche mit eingebetteter Wendel.
Checkliste für Ihre Anfrage
Schlauch und Armatur müssen zueinander und zur Anwendung passen. Die richtige Auswahl und eine fachgerechte Einbindung entscheiden über Sicherheit und Lebensdauer der Leitung. Je mehr dieser Punkte Sie uns nennen, desto schneller finden wir die passende Lösung:
Abmessung
- Innendurchmesser (aus Durchfluss und Geschwindigkeit)
- Außendurchmesser (Einbauraum)
- Länge der Strecke
- Gewicht
Medium
- fest, flüssig oder gasförmig
- chemische Bezeichnung, Konzentration, ggf. Korngröße
- Temperatur
- Lebensmittel oder Trinkwasser?
Anwendung
- Temperatur und Schwankungen
- Betriebs-, Prüf- und Berstdruck
- Vakuum und Druckwechsel
- Häufigkeit und Dauer des Einsatzes
- nötige Flexibilität, Biegeradius
Umgebung
- Abrieb, Quetschen, Überfahren
- UV- und Ozonbelastung
- Umgebungstemperatur
- elektrische Leitfähigkeit
- Personenschutz und Stolpergefahr
- Lagerung
Den Fragebogen „Auswahlkriterien für die optimale Schlauchtechnik“ stellt der EDE als ausfüllbares PDF bereit.
Lagerung und Haltbarkeit
Gummi- und Kunststoffschläuche halten lange, wenn sie richtig gelagert werden. Falsche Lagerung lässt sie dagegen schneller altern und gefährdet Sicherheit und Funktion.
So lagern Sie richtig
- kühl bei −10 bis +25 °C
- trocken, relative Luftfeuchte unter 65 %
- staubarm und mäßig belüftet
- spannungsfrei, z. B. auf Wandhaltern und Aufrollern
- im Wechsel nutzen statt jahrelang liegen lassen
Das schadet dem Schlauch
- Sonne, UV-Strahlung und Wärmequellen
- Ozon, etwa durch Elektromotoren oder Funkenbildung im Raum
- Zug, Druck, Knicke beim Lagern
- lange Standzeit ohne Prüfung vor dem Einsatz
Selten genutzte Schläuche können nach langer Lagerung undicht sein. Prüfen Sie sie vor dem Einsatz und ebenso nach besonderen Belastungen, etwa wenn ein Fahrzeug darübergefahren ist. Für Trinkwasser und die Reinigung in der Lebensmittelindustrie gelten zusätzlich eigene Hygienevorgaben, siehe unsere Schläuche für Lebensmittel und Reinigung und die Hinweise zur Desinfektion von Trinkwasserschläuchen.
Physikalische Größen im Überblick
Wer Schlauchleitungen für Gase, Dampf oder heiße Medien auslegt, begegnet diesen Größen, etwa in Dampftafeln:
| Größe | Was sie beschreibt | Übliche Einheiten |
|---|---|---|
| Druck | Kraft pro Fläche. Bei Gasen und Dampf steigt er mit der Temperatur. | Pa, kPa, MPa, bar |
| Temperatur | Wärmezustand eines Stoffs. 0 °C entsprechen 32 °F und rund 273 K. | °C, °F, K |
| Dichte | Masse je Volumen | kg/m³ |
| Spezifisches Volumen | Raumbedarf je Kilogramm. 1 m³/kg = 1.000 dm³/kg. | m³/kg, dm³/kg |
| Enthalpie | Energieinhalt eines Systems, früher „Wärmeinhalt“. In Dampftafeln je kg angegeben. | J, kJ/kg |
| Verdampfungswärme | Energie zum Verdampfen, beim Kondensieren wird sie wieder frei. Sinkt mit steigender Temperatur. | Wh/kg, kJ/kg |
Passenden Schlauch finden
Sie haben die Eckdaten Ihrer Anwendung? Dann finden Sie das Sortiment hier. Bei Fragen zu Medium, Druck oder Armaturen beraten wir Sie gern persönlich.
