Schrauben nach DIN und ISO
DIN-Schrauben sind das Rückgrat jeder Schraubverbindung in Maschinenbau, Stahlbau und Handwerk. Die Normen definieren Kopfform, Gewinde, Länge und Festigkeitsklasse so eindeutig, dass eine Bestellung mit vier Angaben – Norm, Größe, Länge, Werkstoff – weltweit zur identischen Schraube führt.Technische Infos
DIN und ISO – was hat sich geändert?
Viele DIN-Normen wurden durch europäische (EN) und internationale (ISO) Normen ersetzt. Die alten DIN-Nummern sind im Handel weiterhin gebräuchlich:- DIN 933 → DIN EN ISO 4017 (Sechskantschrauben Vollgewinde)
- DIN 931 → DIN EN ISO 4014 (Sechskantschrauben Teilgewinde)
- DIN 912 → DIN EN ISO 4762 (Zylinderschrauben Innensechskant)
- DIN 7991 → DIN EN ISO 10642 (Senkschrauben Innensechskant)
Schraubentypen im Überblick
- Sechskantschrauben (DIN 933/931): Der Universaltyp. Vollgewinde (933) für durchgesteckte Verbindungen, Teilgewinde (931) für belastete Verbindungen, bei denen die Scherkraft auf dem glatten Schaft liegen soll. Gewinde M4 bis M64. Angezogen mit Gabelschlüssel oder Stecknuss.
- Zylinderschrauben (DIN 912): Innensechskant (Inbus) überträgt hohe Anzugsmomente auf kleinem Raum. Zylindrischer Kopf versenkt sich in Senkung oder Durchgangsbohrung. Standard im Maschinenbau.
- Senkschrauben (DIN 965/7991): Konischer Kopf versenkt sich bündig in 90°-Senkung. Für ebene Oberflächen – Maschinenführungen, Aufspannplatten.
- Linsenkopfschrauben (DIN 7985): Flacher, gewölbter Kopf für Verkleidungen und Abdeckungen. Kreuzschlitz (Phillips) oder Innensechskant.
- Flachrundschrauben (DIN 603): Vierkantansatz unter dem flachen Kopf verhindert Mitdrehen. Klassiker im Holzbau und für Schlosserschraubverbindungen.
- Blechschrauben (DIN 7981): Selbstschneidendes Gewinde für Dünnblech und Kunststoff. Kein Muttergewinde nötig.
- Bohrschrauben (DIN 7504): Bohrspitze und selbstschneidendes Gewinde in einem. Bohren und Befestigen in einem Arbeitsgang – spart das Vorbohren.
Festigkeitsklassen – die richtige Schraube für die Last
Zwei Zahlen, getrennt durch einen Punkt: Erste Zahl × 100 = Zugfestigkeit (N/mm²), erste × zweite × 10 = Streckgrenze.- 4.6: 400 N/mm² Zugfestigkeit, 240 N/mm² Streckgrenze. Untergeordnete Verbindungen ohne definierte Vorspannung.
- 8.8: 800 / 640 N/mm². Standardwerkstoff im Maschinenbau. Vergütungsstahl.
- 10.9: 1.000 / 900 N/mm². Hochbelastete Verbindungen – Motorblöcke, Fahrwerk, Flansche unter Druck.
- 12.9: 1.200 / 1.080 N/mm². Höchste Festigkeitsklasse für Sonderkonstruktionen.
Werkstoffe und Oberflächen
- Stahl verzinkt: Standardoberfläche. Zinkschicht 5–25 µm schützt in trockenen und leicht feuchten Umgebungen.
- Stahl brüniert: Minimaler Maßaufbau, dunkle Optik. Für Werkzeug- und Vorrichtungsbau. Muss regelmäßig geölt werden.
- Edelstahl A2 (1.4301): Gängigster nichtrostender Schraubenwerkstoff. Außenanwendungen, Lebensmitteltechnik.
- Edelstahl A4 (1.4401): Beständiger gegen Chloride und Säuren. Schwimmbäder, Schifffahrt, Offshore.
- Feuerverzinkt: Dicke Zinkschicht (45–80 µm) für Langzeitschutz im Außenbereich und Stahlbau. Achtung: Gewindetoleranzen ändern sich – Muttern müssen größer geschnitten sein.
