Was ist für Sie „so wichtig wie die Luft zum Atmen“? Sicher fällt Ihnen dazu etwas ein. Aber wie ist das mit der Luft? Die ist einfach so da, oder? Nein, leider nicht immer. Es ist auch nicht die Luft, die wichtig ist, sondern der darin mit einem Anteil von 21% enthaltene Sauerstoff. Er muss vom Blut ins Gehirn gebracht und im ganzen Körper verteilt werden, damit wir lebens- und leistungsfähig bleiben.

Weniger Sauerstoff oder mehr Schadstoffe sind für den Körper gefährlich und müssen vor allem am Arbeitsplatz durch geeignete Schutzmaßnahmen ausgeschlossen werden. Geeignet – ein kurzes Wort, in dem viel steckt und das mehrere Personen und Schritte umfasst. Die Abbildung zeigt es auf einen Bick:

Gefährdungsermittlung

„One size fits all“ gilt bei einzelnen Filtermasken. Aber eine Filtermaske ist nicht für jeden Arbeitsplatz die richtige Wahl. Zunächst muss die Sicherheitsfachkraft herausfinden, welche Gefahren überhaupt vorliegen. Mit der Antwort engt sich die Auswahl beim Atemschutz schon etwas ein.

Hier verschiedene Gefährdungsarten:

  • Feinstaub: Staub, Nebel, Fasern, Sporen, Bakterien oder Viren haben im Körper nichts verloren. Diese kleinen Partikel sind besonders tückisch, denn sie dringen einerseits tief in die Lunge ein und schweben andererseits lange in der Luft.
  • Gase, Dämpfe, Gerüche und Ozon: Sie sind nur zum Teil von der Nase erkennbar und auch bei Raumtemperatur immer gasförmig.
  • Sauerstoffmangel: Der liegt von, wenn die Luft weniger als 19,5% Sauerstoff enthält.

Im nächsten Schritt betrachtet die Sicherheitsfachkraft Details wie

  • Konzentration: Wie viele Schadstoffe befinden sich in der Luft, und wo liegen die Grenzwerte? Für Staub gilt beispielsweise 1,25 mg/m³ Luft, wobei in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedliche Grenzwerte gelten.
  • Expositionszeit: Wenn ein Mitarbeiter der Gefahr volle 8 Stunden ausgesetzt ist, sind andere Maßnahmen zu ergreifen als wenn es „nur“ 4 x 15 Minuten über den Tag verteilt sind.

Auswahl des Atemschutzes

Auf die Ermittlung der Gefährdung folgt die Auswahl des passenden Atemschutzes für die jeweilige Tätigkeit und den betreffenden Benutzer.

Dazu ein paar Begriffe mit Erklärung:

  • Filtrierender Atemschutz: Nur sehr wenige Partikel dürfen die schützende Barriere passieren. Die Luft muss aber dennoch hindurchkommen, so dass sich der Atemwiderstand für den Benutzer erhöht. Da das auf Dauer anstrengend werden kann, sind einerseits Tragezeitbegrenzungen einzuhalten und anderereseits Masken mit Ausatemventil zu bevorzugen.
  • Gebläseunterstützter Atemschutz: Bei diesen Modellen wird die Atemmuskulatur nicht zusätzlich beansprucht, so dass Tragezeitbegrenzungen entfallen. Erreicht wird diese Eigenschaft durch einen Unterdruck, der im Kopfteil mit integriertem Helm und Kühlung herrscht. Mit diesem Typ sind auch Bart- oder Brillenträger uneingeschränkt geschützt.
  • Pressluftatmer: Diese Modelle kommen zum Einsatz, wenn sich zu wenig Sauerstoff in der Luft befindet, also z.B. bei der Feuerwehr oder zur Kesselreinigung. Die zugeführte Luftmenge wird automatisch gesteuert.
  • Aktivkohlefilter: Sie enthalten chemisch behandelte Kokosnuss-Schalen, die so gebrochen sind, dass eine riesige Oberfläche von bis zu 1500 m² entsteht. Dadurch werden Schadstoffe ausgefiltert und Dämpfe gebunden. Der Filter wird aktiv, sobald er aus der Umhüllung genommen wurde und hat dann eine Lebenszeit von 2-3 Wochen.

Schulung und Verwendung

Mit der Verwendung von Schutzausrüstungen ist es ja so eine Sache. Vom Helm bis zur Absturzsicherung gilt alles eher als uncool, lästig oder unbequem. Mir passiert schon nichts, denkt man und vergisst darüber die eigene Sich-erheit. Über Verordnungen und Gefahren hinaus stehen also Tragekomfort und Vereinbarkeit mit der Tätigkeit ganz oben auf der Anforderungsliste. Außerdem ist es wichtig, die Mitarbeiter für die Gefahren zu sensibilisieren und ihnen den Nutzen der Ausrüstung verständlich zu machen, damit die Akzeptanz steigt.

Die Schutzausrüstung ist beschafft und die Mitarbeiter sind bereit, sie zu verwenden. Aber wie? Diese wichtige Frage muss in Schulungen praktisch vermittelt werden, um tatsächlich die erwünschte Schutzwirkung zu erzielen.

Denn so etwas Natürliches und Verbreitetes wie ein Bart beisst sich mit einer Atemschutzmaske. Was können ein paar Haare schon ausmachen? Viel, denn sie lassen tatsächlich eine Lücke zwischen Haut und Maske entstehen, durch die die kleinen Partikel einfach durchschlüpfen.
Für den wirkungsvollen Atemschutz hilft also nur Rasieren – bitte 8 Stunden vor Verwendung der Maske – oder die Verwendung eines Gebläse-Atemschutzes.

Über die Bartfrage hinaus muss jeder Benutzer wissen, wie die Schutzausrüstung

  • richtig angelegt wird, damit sie gut und vor allem dicht sitzt.
  • richtig abgelegt und aufbewahrt wird.
  • vor der Benutzung auf ihre Gebrauchsfähigkeit überprüft werden kann. Dazu muss er lernen, welche gesundheitlichen Symptome auftreten, wenn der Schutz nicht mehr gewährleistet ist.
  • gewartet wird. Einwegprodukte werden entsorgt, während Mehrwegprodukte durch neue Filter wieder fit gemacht werden können.

Aufbewahrung

Endlich Feierabend, nur schnell weg mit der Maske und raus aus der Arbeitskleidung. Der Wunsch ist verständlich, sollte aber mit dem Gedanken an den nächsten Arbeitstag kombiniert werden. Denn auch dann soll die Atemschutzausrüstung ja noch voll funktionsfähig sein.
Also: Lagern Sie die Ausrüstung richtig! Das ist in Ihrem eigenen Interesse und hilft natürlich auch, die nicht unerheblichen Kosten etwas zu senken.

Der Atemschutz gehört nach Verwendung in einen geschlossenen Behälter, der ihn vor noch in der Luft befindlichen Schadstoffen, Sonnenstrahlen, Dreck und mechanischen Beschädigungen schützt. Über eine hygienische Lagerung hinaus gehört auch die Reinigung zum Pflichtprogramm für den zuverlässigen Atemschutz. Zum Reinigen von Gasmasken gibt es spezielle Hygienetücher.

Wo ist der ideale Standort für den Behälter mit dem Atemschutz? Natürlich dort, wo er für den nächsten Einsatz gut zugänglich ist. Gerade für die sporadische Verwendung von Einmalmasken kann Nudging nicht schaden – damit die Anwender gar nicht anders können, als sich am Entnahmebehälter zu versorgen.

Wartung

Ein letzter Punkt betrifft Masken mit Filter, die regelmäßig ausgetauscht werden müssen. Dieser Zeitpunkt ist erreicht, wenn

  • das Atmen schwerer fällt
  • die Maske Gerüche durchlässt oder einen schlechten Geschmack bildet
  • der Filter schadhaft ist
  • der Filter schmutzig ist
  • die Sättigungsanzeige darauf hinweist (die allerdings nur bei Chemikalien in Reinform vorhanden ist).

Ob das nach jeder Schicht, jede Woche oder jeden Monat eintritt, hängt natürlich von der Art der Belastung ab. Aktivkohlefilter müssen nach 2-3 Wochen gewechselt werden. In der unversehrten Originalverpackung sind Filter und Masken 5 Jahre haltbar. Sobald sie jedoch ausgepackt sind, sinkt die Lebensdauer auf 6 Monate, weil sie immer Schadstoffe aus der Luft aufnehmen.

Über die Prüfung hinaus, die jeder Benutzer in seinem eigenen Interesse vornehmen sollte, ist alle 6 Monate eine Prüfung durch eine fachkundige Person erforderlich. Diese Prüfung muss auch entsprechend dokumentiert werden.

Damit schließt sich der Kreis. Die Sicherheitsfachkraft muss die Arbeitsbedingungen und die Vorschriften stets im Auge behalten. Wenn dort Änderungen eintreten, beginnt alles mit der Gefährdungsermittlung von vorne.

Zuschüsse

Informieren Sie sich vor Neuinvestitionen in Atemschutzausrüstungen, ob Ihre Berufsgenossenschaft Ihnen finanziell unter die Arme greift. Derzeit fördert beispielsweise die BG Bau die Anschaffung von Gebläse-Atemschutz.

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